REALITY ADDICTS sind jene Menschen der hochtechnisierten Welt, die sich nicht mit der Abgeschlossenheit des Multimedia zufrieden geben; sie verlangen mehr als das: der reale Mensch, Bild und Wort, Kultur und Natur fesseln sie, sodass sie es sich zur Aufgabe gemacht haben, die durch Medientechnologie erzeugte Wirklichkeit mit künstlerischen Strategien zu unterlaufen, ihre Defekte zu feiern und mit dem beinah Möglichen zu spielen.
unfinish! verlangte scheinbar abgeschlossene Prozesse wieder zu öffnen und stellte die Endlichkeit in Frage, um jeder Situation ihre potentielle Vielfältigkeit bewusst zu machen. Offenheit für Veränderung und die Umkehr von getroffenen Entscheidungen waren maßgebliche Kriterien des Festivals; es konzentrierte sich auf den Punkt, an dem Festgefügtes erneut in die Schwebe gebracht wird, und fragte nach der Bedeutung von Kontinuität und Veränderung. unfinish! ist der Schlachtruf und der Fluch der digitalen Arbeit, die keinen Abschluss, sondern nur aufeinanderfolgende Versionen kennt. Ein Paradigma digitaler Kultur?
Unter dem Motto CONSPIRE... untersuchte die transmediale.08 dubiose Welten, zweideutige Erzählungen und undurchsichtige Meinungsbildungsprozesse, um die Mittel und Werkzeuge kreativ-konspirativer Strategien kritisch zu erkunden und sie für die Entwicklung neuer digitaler Ausdrucksformen nutzbar zu machen. Bedroht durch verschwörerische Machenschaften im spekulativen Moment des digitalen Zeitalters verschwimmen Fiktion und Wirklichkeit und so manches erscheint plötzlich verdächtig.
Seit 1973 ist Video ein integraler, nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Internationalen Forums des Jungen Films der Internationalen Filmfestspiele. 1988 wurde in der MedienOperative (sonst nur zweite Spielstätte der Videoauswahl) auch ein eigens zusammen gestelltes Programm gezeigt, als VideoFilmFest.
In diesem Jahr zum zweiten Mal realisiert, war das VideoFest zum größten ständigen europäischen Videofestival geworden. Video ist jung, war von Anfang an eine Reaktion auf die „schöne neue Welt“ der hochtechnisierten Massengesellschaft mit all ihren Computern, Kernkraftwerken, zerstörten Landschaften und vereinsamten Individuen. Deshalb kann Video nicht Film sein, bleibt sperrig, verspielt und angreifbar. Und bleibt vor der Tür der „hohen“ Kultur.
Das VideoFest ist innerhalb kurzer Zeit zu einem der bedeutendsten internationalen Videofestivals geworden. In diesem Jahr präsentierte das Programm Arbeiten zwischen Videokunst und –Dokumentationen; Anspruch war, videospezifische Umsetzungen dokumentarischer Produktionen herauszustellen.
1991 – Das VideoFest ist kantiger geworden als zuvor, mit mehr Arbeiten, die formal und inhaltlich Irritationen schaffen; mit mehr Dokumentationen, die sich um formsprachliche Innovation und aufregende Inhalte bemühen; mit auffällig vielen Videos, die sich künstlerischer Mittel bedienen, um sozialkritische und politische Themen anders als üblich zu reflektieren.
Auch 1992 war es der Anspruch der MedienOperative, mit dem VideoFest die Entwicklung der internationalen Videokultur zu spiegeln, den Reichtum all ihrer Genres zu repräsentieren – sei es bei Produktionen, bei Skulpturen oder bei grenzüberschreitenden Bereichen wie interaktiven Medien oder Computeranimation.
Das VideoFest `93 hatte mehr zu bieten als je zuvor. Zum einen ein Hauptprogramm in gewohnter Qualität. Zum anderen ein optimales Raumangebot für alle Aktivitäten wie Programm, Installationen, Markt, Konferenzen, Sondervorführungen etc. Besser informiert und besser unterhalten. Manchmal irritiert, aber niemals gelangweilt. Viel Wirbel im Kopf.
Das VideoFest im siebten Jahr, das landläufig als das „verflixte“ gilt – keineswegs beim VideoFest. Die Berührung von Video und Fernsehen waren immer wichtiger geworden. Das Programm zeigte ungewöhnliche Fernsehproduktionen sowie Bänder, die sich kritisch am großen Medium gerieben haben.